interaktiv in Zeiten von Corona: Geschäftsführer Bastian Schlierkamp im Interview

(NF) Seit einigen Wochen hält die „Corona-Krise“ das gesellschaftliche Leben fest im Griff. Viele Unternehmen mussten Kurzarbeit anmelden oder den Betrieb gar gänzlich einstellen. Unzählige Einrichtungen, Schulen und Kindertagesstätten wurden (vorerst) bis zum 19. April geschlossen. Das Leben wurde nicht nur hierzulande, sondern in vielen Ländern auf der Welt weitgehend „heruntergefahren“.
Veränderungen brachten diese Entwicklungen auch für die Arbeit der interaktiv gemeinnützigen Gesellschaft für Schule, Sport und Soziales mbH mit sich. Wie interaktiv mit den derzeitigen Gegebenheiten umgeht, berichtet Geschäftsführer Bastian Schlierkamp im Gespräch mit der interaktiv-Redaktion.

Hallo Bastian, in welcher Form ist interaktiv von der „Corona-Krise“ betroffen?

Bastian Schlierkamp: Grundsätzlich geht es uns als Unternehmen und Arbeitgeber trotz der Krise recht gut. Aber: Ob Sport, Schule oder Soziales – alle unsere Fachbereiche sind von den aktuellen Umständen betroffen. Unter anderem ist es ja eine unserer Aufgaben, die Notfallbetreuung an den Schulen zu stemmen – unter anderem auch auf Abruf, am Wochenende und bis in die späten Abendstunden hinein. Der Bedarf ist hier zwar noch nicht überproportional groß, aber das kann noch auf uns zukommen. Schon jetzt ist es für einige Familien schwierig, die Betreuung der Kinder familienintern aufzufangen. Derzeit warten alle darauf, wie es nach den Osterferien weitergeht.

Und wie sieht es im Fachbereich Sport aus?

Schlierkamp: Hier wurde der Spielbetrieb vor einigen Tagen eingestellt, die Saison für interaktiv-Partner SG Ratingen ist also vorzeitig beendet. Das bedauern wir sehr, weil wir die Spielzeit gerne sportlich zu Ende gebracht und womöglich tabellarisch noch den einen oder anderen Platz gutgemacht hätten. Wir hätten noch warten können und die Saison notfalls auch im Sommer zu Ende spielen können. Derzeit machen wir Online-Training und halten uns so fit.

Kommen wir zum Fachbereich Soziales…

Schlierkamp: Gerade im stationären Bereich müssen wir derzeit sogar vermehrt arbeiten. Denn die Kinder und Jugendlichen, die dort wohnen, gehen ja zur Zeit ebenfalls nicht in die Schule. Also müssen sie praktisch 24 Stunden täglich von unseren Fachkräften in den Wohngruppen betreut werden. Hier wird der Aufwand also immer größer. In der ambulanten Jugendhilfe und der Schulassistenz finden wir kreative Lösungen, die in der Regel virtuell aussehen. Wir stellen den Kindern Aufgaben, halten über Chats, Videoanrufe und Telefon regelmäßigen, engen Kontakt. So können wir Familien weiterhin beraten und betreuen und die Schülerinnen und Schüler weiter fördern. 

Von welchem Zeitpunkt an hat interaktiv entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet?

Schlierkamp: Im Bereich Sport sehr, sehr früh. Schon bevor das Thema in den Medien war. Wir haben bei der SG Ratingen mit Max Eugler einen Spieler, der zuvor in Schanghai, also einem absoluten Risikogebiet gewesen ist. Er fühlte sich nicht wohl und wollte lieber die zwei Wochen Inkubationszeit abwarten, bevor er wieder einsteigt. Das hat uns zwar sportlich sehr wehgetan, aber diesem Wunsch sind wir logischerweise direkt nachgekommen. Daneben haben wir einen „Corona-Ticker“ eingerichtet, damit alle auf dem Laufenden sind. Zudem haben wir auch schnell den Trainingsbetrieb entsprechend umgestellt.

Und in den anderen Bereichen?

Schlierkamp: Ein Mitglied aus dem Geschäftsstellenteam wurde vor einiger Zeit positiv auf Covid19 getestet. Dies hat natürlich für einige Mitarbeiter und auch für mich selbst aus Sicherheitsgründen Quarantäne nach sich gezogen. Mir ist da im Homeoffice schon mittlerweile die Decke auf den Kopf gefallen. Aber wir sind froh, dass wir als systemrelevanter Träger überhaupt weiter arbeiten dürfen. Mittlerweile können wir in Teilen wieder im Büro arbeiten. Aber natürlich unter den vorgegebenen Sicherheitsvorschriften.
Was die Fortbildungsakademie angeht, wurden bereits am Tag , als die Österreicher ihre Grenzen schlossen und im Radio zum ersten Mal der Begriff der Pandemie zu hören war, vorausschauend die erste der Fortbildungen im Rahmen des Zertifikatskurses „Arbeit im Ganztag“ abgesagt. Im Verlauf der schrittweisen Schulschließung ab dem 16. März wurden auch weitere Veranstaltungen bis Ende der Osterferien gecancelt. Wie es weitergeht, wird in Anlehnung  an die Entscheidungen der Bezirksregierung  hinsichtlich der Öffnung von Schulen entschieden. Wir möchten in keinster Weise ein Gesundheitsrisiko  durch Großveranstaltungen eingehen im Sinne unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bemühen uns, einen Beitrag zu leisten zur Eindämmung der Krankheitswelle, damit ein geregeltes Leben wieder stattfinden kann. Sicherlich wird es uns gelingen, alle Veranstaltungen bis zum Ende des Kalenderjahres nachzuholen.

Wie sieht es im Umfeld von interaktiv aus?

Schlierkamp: Wenn man sich mit Partnern unterhält, merkt man schon, dass diese ganze Situation für viele Unternehmen massive Probleme mit sich bringt. Vor diesem Hintergrund ist unsere Aufgabe noch wichtiger: Wir sind der Anbieter, der vielen Eltern ermöglicht, weiter arbeiten zu gehen und ein halbwegs normales Leben zu gewährleisten. 
Klar ist aber: Es könnte Probleme dabei geben, dies längerfristig aufrecht zu erhalten. Wenn die Krise noch wesentlich länger andauert, kann es auch für uns kompliziert werden. 

Wie schätzt Du die kommenden Wochen und Monate ein?

Schlierkamp: Wichtig ist, gelassen und positiv zu bleiben. Ich glaube, wenn sich alle weiterhin so an die vorgegebenen Regeln halten und sich diszipliniert und sozial verhalten, wie ich das zuletzt in der Region aber auch deutschlandweit wahrgenommen habe, ist es möglich, dass nach Ostern die Maßnahmen in kleinen Schritten gelockert werden können. So, wie es in China oder Österreich schon gekommen ist oder demnächst kommen wird. 

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